Kräutertee zubereiten: Warum das Wasser kochen muss

Aktualisiert am 17.10.2026 · 4 Min. Lesezeit · 6 Quellen

Kräutertee aufgießen klingt einfach: Beutel in die Tasse, Wasser drauf, fertig. Bei Kräuter- und Früchtetee gibt es aber eine Regel, die nicht nur den Geschmack betrifft, sondern die Sicherheit: Das Wasser muss sprudelnd kochen. Hier lesen Sie, warum das so ist, was ein Heißwasserspender damit zu tun hat und wie Sie Kräutertee zubereiten, damit er sicher und aromatisch wird.

Warum Kräutertee kochendes Wasser braucht

Kräuter- und Früchtetees sind streng genommen kein Tee. Tee im engeren Sinn stammt nur von der Teepflanze Camellia sinensis, Kräuter- und Früchtetees gelten als teeähnliche Erzeugnisse.1 Sie bestehen aus getrockneten Blättern, Blüten, Früchten, Samen oder Wurzeln anderer Pflanzen.1

Weil bei ihrer Herstellung ein Schritt fehlt, der Mikroorganismen sicher abtötet, können sie Bakterien, Hefen oder Schimmelpilze enthalten.1 In seltenen Fällen sind auch krankheitserregende Keime wie Salmonellen darunter.2 Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt deshalb, Kräuter- und Früchtetees immer mit sprudelnd kochendem Wasser aufzugießen und mindestens fünf Minuten ziehen zu lassen.2

Wie heiß ist heiß genug?

Salmonellen und verwandte Bakterien lassen sich durch Erhitzen zuverlässig abtöten. Laut BfR ist das bei einer Kerntemperatur von 70 °C über zehn Minuten sicher der Fall, in der Praxis reichen auch fünf Minuten.1 Mit sprudelnd kochendem Wasser und ausreichender Ziehzeit ist man daher auf der sicheren Seite.

Heißwasserspender: für Kräutertee ungeeignet

Viele Heißwasserspender in Büros und Küchen liefern kein kochendes Wasser, sondern Wasser mit 80 bis 85 °C.2 Für grünen Tee kann das passen, für Kräuter- und Früchtetee rät das BfR davon ab.2 Bei dieser Temperatur werden mögliche Keime nicht sicher abgetötet.2 Hinzu kommt: In solchen Geräten können sich selbst Keime vermehren, wenn sie nicht regelmäßig gereinigt oder desinfiziert werden.1

Wer im Büro Kräutertee trinkt, greift deshalb besser zum Wasserkocher.

Für wen das besonders wichtig ist

Für gesunde Erwachsene ist das Risiko gering, denn belastete Tees sind selten. Anders sieht es bei empfindlichen Menschen aus. Laut BfR können falsch zubereitete, belastete Tees vor allem für Säuglinge, Kleinkinder und Kranke ein Gesundheitsrisiko sein.2 Gerade Kindertees sollten Sie daher nie mit nur warmem Wasser zubereiten, etwa um sie schneller trinkfertig zu machen.1 Lassen Sie den Tee lieber vollständig ziehen und dann abkühlen.

Nicht stundenlang stehen lassen

Kochendes Wasser tötet Bakterien ab, aber nicht unbedingt deren Sporen. Diese können die Hitze überstehen und im warmen Tee wieder auskeimen.2 Das BfR rät deshalb, aufgegossenen Kräutertee nicht über mehrere Stunden stehen zu lassen.2 Eine Thermoskanne, die den ganzen Tag lauwarm bleibt, ist für Kräutertee keine gute Idee. Bereiten Sie lieber frisch zu.

So bereiten Sie Kräutertee richtig zu

  1. Frisches Wasser verwenden. Der Teeverband empfiehlt frisches Wasser und rät, es nur einmal aufzukochen.4 Abgestandenes Wasser schmeckt schlechter.4
  2. Menge abmessen. Pro Tasse einen gehäuften Teelöffel oder einen Teebeutel.3
  3. Sprudelnd kochend aufgießen. Nicht warten, bis das Wasser abgekühlt ist.2
  4. Lange genug ziehen lassen. Mindestens fünf Minuten.2 Je nach Sorte nennen der Teeverband fünf bis zehn Minuten3 und Verbraucherschützer fünf bis acht Minuten für Kräutertee und sechs bis acht für Früchtetee.6
  5. Packungsangabe beachten. Steht dort eine längere Ziehzeit, gilt diese.2

Welches Wasser eignet sich?

Für den Geschmack eignet sich laut Teeverband weiches, kalkarmes Wasser am besten.4 Bei hartem Wasser können ein Wasserfilter oder stilles Mineralwasser helfen.4

Und kalter Kräutertee?

Kalt angesetzter Tee ist beliebt. Im Handel gibt es eigens dafür entwickelte Früchtetees, sogenannte Cold-Brew-Tees.5 Sie brauchen laut Teeverband einen besonderen Herstellungsschritt und sind ausdrücklich für den kalten Aufguss gedacht.5

Das heißt nicht, dass sich jeder Kräutertee kalt ansetzen lässt. Für normale Kräuter- und Früchtetees gilt weiter die Empfehlung des BfR: kochend aufgießen.2 Wer kalten Tee möchte, kann ihn heiß zubereiten und danach abkühlen lassen – oder zu einem Produkt greifen, das für den Kaltaufguss gekennzeichnet ist.

Häufige Fragen

Gilt das auch für Teebeutel?

Ja. Die Empfehlungen des BfR gelten für lose Mischungen und für Teebeutel gleichermaßen.2

Darf ich Kräutertee zum schnelleren Abkühlen mit kaltem Wasser verdünnen?

Erst nach der vollen Ziehzeit. Mit warmem statt kochendem Wasser aufzugießen, rät das BfR ausdrücklich ab.1

Brauche ich bei Schwarztee auch kochendes Wasser?

Die Sicherheitsempfehlung des BfR bezieht sich auf Kräuter- und Früchtetees.2 Für schwarzen, grünen und weißen Tee gelten eigene Temperaturen; im Zweifel zählt die Angabe auf der Packung.1

Fazit

Kräuter- und Früchtetee immer mit sprudelnd kochendem Wasser aufgießen, mindestens fünf Minuten ziehen lassen und nicht stundenlang warm stehen lassen. Heißwasserspender mit 80 bis 85 °C reichen dafür nicht. Besonders bei Tee für Kinder und Kranke lohnt sich die Sorgfalt.

Quellen

  1. Temperierte Heißwasserspender für Kräuterteeaufgüsse nicht geeignet — Bundesinstitut für Risikobewertung, Stellungnahme Nr. 045/2005 vom 13.09.2005
  2. Kräutertees unbedingt mit kochendem Wasser aufgießen — Bundesinstitut für Risikobewertung, Presseinformation Nr. 37/2005 vom 14.12.2005
  3. Der Aufguss – Gut zu wissen — Deutscher Tee & Kräutertee Verband
  4. Wasser – die unterschätzte Zutat — Deutscher Tee & Kräutertee Verband
  5. Cold Brew Teas — Deutscher Tee & Kräutertee Verband
  6. Was ist die optimale Aufgusstemperatur für Tee? — Verbraucherzentrale Südtirol, 17.12.2018 (Druckfassung)